Berliner Morgenpost 15.10.06 von Ulrike Borowczyk

Sie säuseln wie weiland die Andrew Sisters "Mr. Sandman" im betörenden dreifachen Closed-Harmony-Gesang, swingen wie der legendäre Duke Ellington und sind dabei auch noch umwerfend komisch: Les Belles du Swing. Sechs hinreißende Ladies im Rausch der wilden, aufregenden zwanziger, dreißiger und vierziger Jahre. Nun nehmen die Damen Tanzwütige und andächtig Lauschende beim "5 o'clock Swing Dance" im Grünen Salon mit auf eine nostalgische Reise.

Mit einer langen Zigarettenspitze hier und einer koketten Federboa da verwandeln sich die Musikerinnen in geheimnisvoll-kapriziöse Geschöpfe aus einer teils glamourösen, teils sehr bewegten Vergangenheit. Geschichten aus jenen Jahren, erzählt mit leichter Ironie, und verführerischer saloméscher Schlangentanz runden das Zeittableau formvollendet ab. Wie gemacht für das Salon-Ambiente mit seinem Eichenparkett, den grünen Samtvorhängen, gemütlichen Plüschsesseln und fein geschliffenen Lüstern.

Elegantes Flair versprüht das Sextett natürlich vor allem durch allerfeinsten Swing. Mit Eigenkompositionen, aber auch mit neu arrangierten, choreographierten Musicalsongs und Evergreens mit witzigen deutschen Texten. Für die grandiosen Klassiker ist die Band Jazzgrößen wie Django Reinhardt und Benny Goodman auf ewig dankbar. Haben diese die Damen um Sängerin Birge Funke doch zu einem ganz eigenen Sound inspiriert: Dominiert von der Gypsy-Gitarre, veredeln ein Kontrabass, ein Piano und allerlei Schlagzeug einen kraftvollen, dichten Groove. Hinzu kommen ein großzügiger Schuss Akkordeon und eine temperamentvolle Klarinette.

Mit dieser ungewöhnlichen Besetzung und ihren eigenwilligen, temporeichen Song-Interpretationen haben sich die sechs Künstlerinnen nicht nur in der Berliner Musikszene längst einen Namen gemacht. Wie geschaffen für einen überraschenden, luftig-leichten musikalischen Cocktail zu jeder Tageszeit.